„DER GURK“, ein Kunstobjekt vom Erwin Wurm am Hartberger Hauptplatz

„DER GURK“ bronze cast patinated
Erwin Wurm 2016

Die Gurke als Star am Hartberger Hauptplatz
Bereits im Vorjahr hat die Stadt Hartberg mit dem „convertible fat car“ von Erwin Wurm Kunst im öffentlichen Raum gezeigt und dabei sensationelles Besucherinteresse geweckt.

In diesem Jahr ist seit 24. April mit der Skulptur „DER GURK“ wieder eine Arbeit von Erwin Wurm am Hauptplatz zu sehen. Der Meister des hintergründigen, skurrilen Humors hat mit seinen Gurkenskulpturen heftige Diskussionen hervorgerufen. Viele Besucher bringt das mehr als 4 Meter hohe Kunstwerk jedoch zum Staunen und Lachen.

Hartberg freut sich darüber!

 

„Der Gurk“ von Erwin Wurm
Kurator Hans Weigand

Der „Gurk“ kommt zu Besuch in Hartberg und wird bis Ende Oktober am Hauptplatz zu Gast sein. Ich möchte mich bei Erwin Wurm sehr herzlich im Namen der Stadt Hartberg bedanken dass er uns auch dieses Jahr eine seiner großen Skulpturen zur Verfügung stellt.

Diese Skulptur wird vielen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, manche verstören und sogar einige empören, aber so ist es nun mal in einem Demokratischen Kulturbetrieb, dass verschiedene Meinungen erlaubt sind!

Auf jeden Fall ist sie am Hauptplatz von Hartberg nicht zu übersehen!

Erwin Wurm gehört zu den 10 bedeutendsten Bildhauerinnen und Bildhauern der Gegenwartskunst und hat den Begriff der Skulptur entscheidend erweitert und beeinflusst. Sein weites Spektrum reicht von den „One Minute Sculptures“ bis zu großen Skulpturen wie dem großen auf den Kopf gestellten Lastwagen auf der Biennale in Venedig.

Ausstellungen in allen wichtigen Museen der Welt, von China bis Frankreich und den USA unterstreichen seine Bedeutung als Künstler. Und er ist einer von vielen bedeutenden Steirischen Gegenwartskünstlern…

Ich habe das Privileg Erwin Wurm seit den 70er Jahren als Künstler zu kennen, und seinen künstlerischen Weg zu erleben… Und sie können mir eines glauben: Der „Gurk“ ist nicht vom Himmel gefallen sondern über einen langen Prozess entstanden…

Der Gurk steht in einer langen Tradition der Readymades! Die Skulptur „Fountain“ , ein Pissoir das liegend auf einem Sockel steht, von Marcel Dychamp aus dem Jahre 1917 wird als einer der Meilensteine der Modernen Kunst betrachtet… so stehts in Wikipedia…

Andy Warhol hat dann mit seinen gemalenen Campbell Suppendosen und bemalten „Bril“ Boxen den Kunstbegriff erweitert und mit der Pop Art Masstäbe gesetzt und eine ganze Ära geprägt…

Jeder dieser Schritte war von Begeisterung und Empörung des Publikums begleitet… Immer wurden diese Künstler der Banalität bezichtigt…

Ich habe von einem Bekannten von mir die Nachricht bekommen: Mit dem Gurk werden die Hartberger aber ziemlich überfordert sein… Ich habe geantwortet: Es ist gut wenn aktuelle international relevante Gegenwartskunst den Betrachter herausfordert! Die Kunst von Erwin Wurm buhlt nicht um Liebe des Publikums sondern will den Betrachter herausfordern seine Gedankliche Komfortzone kurz zu verlassen und sich auf das Abenteuer Gegenwartskunst einzulassen…

17.400 Aufrufe der Gurke noch vor der offiziellen Eröffnung innerhalb eines Tages ist glaube ich einzigartig… Hartberg hat 8000 Einwohner! Die Argumente dafür und dagegen sind vielfältig…

Eines kann ich gleich sagen… die Skulptur kostet der Stadt Hartberg nur den Transport… Ansonsten ist es eine kostenlose Leihgabe des Künstlers…

Erwin Wurm versteckt sich nicht hinter hohen Mauern und Elfenbeintürmen der abgehobenen Kunst, sondern er geht mit seinen Skulpturen auf die Menschen zu und wenn ein Lächeln in die Gesichtern der Betrachter kommt ist das durchaus erwünscht…


Warum stellt Erwin Wurm in Hartberg aus?

Hartberg hat ein gut funktionierendes, sehr solides Kulturprogramm, von Literatur über Theater bis hin zum Musik-Festivals.

Auch ein schönes Stadt-Museum, welches baulich attraktiv fürGegenwartskünstlerInnen ist.

Was mich im direkten Vergleich an Deutschland und die Schweiz erinnert, wo man es bundesweit geschafft hat, schon seit den 50er Jahren ein dezentrales Ausstellungsangebot für Gegenwarts-künstler*innen aufzubauen.

Das heißt: Deutsche Künstler*innen haben die Möglichkeit zum Beispiel in Ulm, Essen, Hannover, Dortmund, Köln auszustellen, oder seien es kleinere Städte wie Donau-Eschingen, Braunschweig, Darmstadt & Aachen auszustellen.

Kurzum, diese Infrastruktur fehlt vielen österreichischen Künstler*innen. Im Grunde genommen rinnt das Meiste in Wien zusammen, wobei man hier das Kunsthaus Bregenz, Joanneum Graz und das Museum Salzburg nennen sollte, die diesbezüglich außerhalb Wiens kleine Akzente setzen. Jedoch benötigen die österreichischen Künstler*innen national so viele stabile Ausstellungsorte und Residences wie möglich, welche sich, wie hier in Hartberg, förmlich anbieten.

Das Ganze sollte man natürlich in aller Ruhe angehen, es hat keinen Sinn den schnellen Erfolg zu suchen und zu hoffen mit 2 Ausstellungen etwas zu verändern. Man sollte ein solides Programm mit GegenwartskünstlerInnen über einen längeren Zeitraum planen und nach 4 bis 5 Jahren bekommt man ohne Probleme diverse international tätige Gegenwartskünstler*innen nach Hartberg. Für eine Basis muss jedoch gesorgt werden, also eine längerfristige Sache, dann kann es auch wirklich etwas Bedeutendes werden.

Es steht die Idee im Raum nächstes Jahr eine bedeutende Kunstsammlung im Museum Hartberg zu zeigen…

Lieber Erwin, dein Beitrag wird sicher dazu beisteuern Hartberg attraktiver für bildende Gegenwartskunst zu machen!
Und wir sind sehr glücklich dass wir deine versäumte Ausstellung spät, aber doch nachholen können.

In diesem Sinne, vielen Dank an alle Beteiligten und „Enjoy the Gurk“!

 

Erstellt am 22. April 2021